Gäste aus Hongkong bei Wiking

Fernziel Olympia

Bild aus LZ vom 30.06.2011Die 25-jährige Ka Man Lee gehört zum achtköpfigen Ruder-Nationalteam Hongkongs, das sich derzeit auf dem Elbe-Seitenkanal im Lüneburger Industriegebiet Hafen auf den Weltcup in Luzern vorbereitet. Gastgeber für die Athleten aus Asien, die Olympia 2012 als Fernziel haben, ist der RC Wiking.

Aus dem Bootshaus des RC Wiking Lüneburg am Elbe-Seitenkanal dringt eine kräftige Stimme. Trainer Chris Perry "brieft" seine Athleten, erklärt den Trainingsablauf. Eine Ruderin und sieben Ruderer des Nationalteams von Hongkong hören gebannt zu, danach geht es aufs Wasser. "Die Trainingsbedingungen hier sind super für uns", schwärmt Chris Perry, "auf dem Kanal gibt es keine anderen Teams, die uns stören könnten, oder andere Boote. Und die großen Frachtschiffe sieht man ja von weitem schon kommen."

Das Ruderteam Hongkong ist derzeit beim RC Wiking Lüneburg zu Gast, nutzt die Trainingseinrichtungen des Vereins, um sich auf den Welt von der kommenden Woche an in Luzern vorzubereiten. Zuletzt waren sie beim Weltcup in Hamburg vor gut zehn Tagen aktiv. "Eigentlich wollten wir danach in München trainieren. Das klappte aber nicht. Und in Hamburg waren die Bedingungen nicht so gut", erzählt Chris Perry. Über Ronald Schröder, einen ehemaligen Lüneburger Ruderer und jetzigen Bootshändler aus Geesthacht, entstand schließlich der Kontakt zum RC Wiking.

"Der Verein hat uns seine Hände gereicht. Wir erfahren hier große Gastfreundschaft und sind sehr dankbar", sagt Chris Perry. Ein von Frank Dalock vom RC Wiking organisiertes Freizeitprogramm sorgte für ein wenig Abwechslung nach den schweißtreibenden Trainingseinheiten. Perry: "Wir haben eine Stadtführung gemacht. Lüneburg hat eine tolle Geschichte. So etwas sehen die Athleten sonst kaum."

Der 50-jährige Brite Chris Perry war Trainer beim englischen Ruderverband in Nottingham, ehe er vor 25 Jahren nach Hongkong ging. "Eigentlich war nur ein Kurz-Trip vorgesehen. Aber es hat etwas länger gedauert", sagt der Mann mit dem markanten Schnauzer lachend. Schließlich wurde er Nationaltrainer in Hongkong. Zwar gehört Hongkong schon längst wieder zu China, doch im Sport ist die frühere britische Kronkolonie in weiten Teilen noch eigenständig, so auch im Rudern. "Wir haben ein eignes Olympisches Komitee", erklärt Chris Perry, "müssen aber bei großen internationalen Wettkämpfen unter Hongkong-China starten. Wir haben zu China ein sehr gutes Verhältnis.

An Hongkong fasziniert Chris Perry vor allem eins: "Wir haben fantastische Bedingungen, großartige Trainingseinrichtungen. Alles, was das Herz eines Spitzensportlers begehrt. Dort ist es so: Wenn du die Leute von deinen Plänen und Ideen überzeugst, wird es auch umgesetzt und nicht nur darüber geredet." Er nennt das eine "Can-do-Region".

Der Weltcup in Luzern soll der nächste Schritt zur WM Ende August in Slowenien werden. Doch die Ruderer aus Asien haben ein ganz großes Ziel. "Wir hoffen, uns für Olympia 2012 in London qualifizieren zu können", so Perry, der in Aussicht stellt: "Dann kommen wir wahrscheinlich gerne wieder hierher, um zu trainieren." Am Montag bricht die Gruppe Richtung Schweiz auf. Am Sonnabend zuvor wird sie noch im Rathaus von Bürgermeister Eduard Kolle empfangen.

Quellenangabe:
so: Gäste aus Hongkong bei Wiking. In: Lüneburger Zeitung vom 30.06.2011 Seite 26